Illustrationen

„vorzeichnen hat wohl nicht den gleichen stellenwert wie lesen/vortragen, wie es scheint. dabei mussten meine ersten bücher immer bilder haben sonst hab ich sie sicher nicht gelesen 🙂 ich finde das eine engstirnige vorstellung… vorzeichnen ist wohl nicht PROZESSORIENTIERT 🙂 und wer das nicht kapiert kommt nicht in die erste klasse…“

Die Antwort von Stefan (ebenfalls Maler und Zeichner) auf meinen Artikel „Versteh´s einer“ hat mich nachdenklich gemacht. Mir fällt immer wieder auf, wie selbstverständlich es genommen wird, dass Texte illustriert sind, und wie wenig Illustrationen andererseits wahrgenommen werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die Rezensionen zu dem von mir aufwändig illustrierten Gedichtband, „in wenigen Worten die ganze Welt“. Neulich habe ich von meinem Verlag einen ganzen  Stapel kopierter Rezensionen zugesandt bekommen. Die „Frankfurter Rundschau“ hielt es zum Beispiel gar nicht für nötig, auch nur ein Wort über die Illustrationen zu verlieren:

In höchsten Tönen und völlig zu Recht lobt der „ekz-informationsdienst“ das Buch. Für die Illustrationen fällt ein Satz ab:

Selbst bei den Rezensionen meiner Bilderbücher, die zum allergrößten Teil aus Bildern bestehen, wird hauptsächlich auf die Idee und den Text eingegangen, und wenig auf die Illustrationen.  Dabei muss man sich so ein Buch einfach mal ohne Illustrationen vorstellen, Zum Teil würde das gar nicht funktioneren.

Das ist nun keine verletzte Eitelkeit, die mich das wundern lässt, ich frage mich nur, warum das so ist. Es ist doch genauso schwer einen Text zu rezipieren, wie ein Bild, oder täusch ich mich da? Oder ist man als Maler und Zeichner ganz anders gepolt in der Wahrnehmung?

Und fällt das jetzt auf, dass ich heute keine Bildchen in den Artikel gestellt habe? Müsste es eigentlich, laut meiner These.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines, Kunst

4 Antworten zu “Illustrationen

  1. Pit

    Ich denke, dass es mit dem Sehen ist wie mit dem Lesen. Ein geübter „Seher“ sieht mehr in einem Bild als ein ungeübter. Genau wie ein geübter Leser evtl. sogar zwischen den Zeilen lesen kann. Da fehlt vielleicht bei den meisten die Übung.
    Die Rezensenten der Zeitungen sind vermutlich eher geübt Texte zu lesen und zu verfassen, da werden Bilder scheint´s übersehen. Den lapidaren Satz vom ekz mit den „passenden Beigaben“ finde ich da bezeichnend. Wie Du schon schreibst, sind manche Bücher ohne die Illustationen nicht vorzustellen. Sicher würde auch ein nicht illustrierter Gedichtband bei der Zielgruppe Kinder nur geringe Begeisterung auslösen.

    LG Pit

  2. Ja, da hast du sicher Recht: Sehen will gelernt sein, oder besser gesagt, wieder gelernt sein. Für Kinder haben Bilder ja noch eine große Wichtigkeit, das weiß bestimmt jeder aus eigener Erfahrung. Und Kinder sehen das kleinste Detail, wahrscheinlich auch deswegen, da sie ja in einem bestimmten Alter außer Bildern noch nichts lesen können. Deswegen klappt das ja so gut mit den Bilderbüchern. Doch im Erwachsenenalter scheint diese Fähigkeit bei den meisten verloren zu gehen, bzw. es verlagert sich die Aufmerksamkeit. Bilder werden oft nur noch als „Beigabe“ wahrgenommen und nicht mehr als Inhaltsträger. Trotzdem glaube ich, dass Illustrationen eine ganz starke Wirkung aufs Unbewusste ausüben, auch bei Erwachsenen.

  3. hallo marsmadame,

    ich fande deinen artikel interessant wohl auch weil ich selbst schreibe und oft merke wie mir dazu wohl ein gutes bild in den sinn kommt, dies wäre zu bestimmten texten sehr stimmig, doch ich kann nicht zeichnen, höchstens malen. da ich auch nicht auf bilder von künstlern zurückgreifen will da man meinen könnte ich hätte einen text zu einem bild geschrieben lass ich es meistens und so gibts da nur worte.
    es ist aber oft so dass worte durch eine bebilderung sehr oft viel mehr gehalt erhalten, viel mehr menschen werden dadurch auch erreicht weswegen ich es sehr schade finde wenn die illustratoren, wie du oben anmerkst, nicht erwähnt oder nur als nebensache abgetan werden.

    schade ist auch dass es wirklich wenig literatur gibt (für erwachsene) die auch bebildert ist, es ist wirklich fast so als ob es nur kindern vorbehalten wäre. ich hoffe es ändert sich noch in den nächsten jahren, vielleicht merken die leute wie wichtig beides in einklang ist, bild und wort.

    ich muss allerdings noch anmerken, dass ich manchmal finde das illustrationen zu bestimmten texten vom inhalt her ablenken würden, genauso aber wie ein bild für sich alleine stehen sollte, nicht immer aber manchmal.

    wirklich interessant darüber nachzudenken, eröffnet mir gerade eine andere sichtweise 🙂
    danke!

    gruß,
    isa

  4. Barbara

    Liebe Frau Kulot,
    da gebe ich Ihnen ganz Recht! Illustration wird total unterbewertet und das, obwohl wir doch zum grössten Teil alles visuell wahrnehmen.
    Ich bin zwar (leider) keine Illustratorin, aber ich achte immer sehr auf die Bebilderung von Artikeln und liebe Bilderbücher über alles. Früher, als ich noch „normale“ Briefe an meine Freunde geschrieben habe, gabe es diese niemals ohne Illus. Immer habe ich entweder einen Briefkopf entworfen oder zwischendurch im Text etwas bildlich verdeutlicht.
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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