Kunst versus Illustration

Paradies verloren 4 (50 x70 cm)

Heute habe ich auf meinem Blog die Seite „Malerei“ in „Kunst“ umbenannt. Die Seite Malerei wird nämlich sehr selten angeklickt. Mal sehen, ob sich was verändert, ich bin gespannt. Vielleicht ist der Begriff Malerei zu nichts sagend. Andererseits habe ich mit dem Wort Kunst so meine Probleme. Keine Sorge: ich stelle hier auf gar keinen Fall die Frage  „was ist Kunst?“.

Mir geht es eher um die Gegenüberstellung von Kunst und Illustration. Seitens der „Künstler“ werde ich immer wieder mit der Aussage konfrontiert, Illustration sei keine Kunst, allenfalls eine angewandte Kunst, oder ein Handwerk.

Der Begriff illustrieren bedeutet erleuchten, erhellen. Ein Text wird durch den Illustrator erhelllt. Nachdem sich der Illustrator dem Text unterordnet, so die vielfache Meinung, muss er als anwendender Künstler, also als Handwerker bezeichnet werden.

Aber auch als Künstler ist der größte Teil meines Tuns Handwerk. Egal ob ich Malerin, Bildhauerin, Konzeptkünstlerin, Musikerin, Tänzerin, sontwas bin. Die Grundlage von allem ist zunächst ein überlegtes, konzeptionelles Rangehen. Ich muss erst mal die Techniken wie in meinem Fall Komposition, Farbenlehre, Materialtechnik, usw.  beherrschen, daraus kann dann Kunst entstehen. (Die „Kunst aus dem Bauch raus“ wird meiner Meinung nach daher selten gut.) Offen bleibt also die Frage: ab wann ist es dann Kunst?

Früher hat mich das immer geärgert, wenn  es hieß, Illustration sei keine Kunst. Heute muss ich mich über solche Begriffe nicht mehr definieren. Das überlasse ich anderen.

Bild aus. „Das kleine Krokodil und die große Liebe“ © Daniela Kulot
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15 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines, Kunst

15 Antworten zu “Kunst versus Illustration

  1. frau kuni

    bei „Malerei“ als Kapitelüberschrift würde ich annehmen, etwas von DIR zu finden. Bei „Kunst“ würde ich eher allgemeine Betrachtungen vermuten. Bei „Illustration“ würde ich denken, die Grafikerin macht eine Werkschau. Letzteres würde ich berufsbedingt interessiert als erstes anklicken. Meistens interessiert mich die „Kunst und Malerei“ anderer Menschen nicht so wirklich. Eine Bekannte von mir bezeichnet sich auch gern als künstlerisch begabt. Sie malt sehr akkurat farbenfrohe aber simple und aussagelose Motive von Vorlagen ab (einen fröhlichen Frosch mit Blume zum Beispiel). Was ich an sich ja nicht verwerflich finde, aber ich möchte dann nicht mit ihr über Kunst diskutieren 😉

    • Das möchte sie doch hoffentlich auch nicht. Ich kann mich dem Begriff Kunst nur annähern. Aber eins ist für mich klar: Kunst muss eine eigene, kreative Schöpfung sein, wenn ich etwas stur abmale, ohne es weiterzuführen ist es keine Kunst.
      Was ich interessant finde: du interessierst dich für Illustration, aber für Malerei nicht? Hab ich das richtig verstanden?

  2. charles marto

    Hmm – du willst nicht fragen, was Kunst sei, wirfst jedoch indirekt die Frage auf, wo keine oder nicht so gute Kunst beginnt – sei es die „aus dem Bauch ‚raus“ oder sei es Illustration, die „nur“ angewandte Kunst bzw. angewandtes (Kunst-)Handwerk darstelle. Was, wenn nicht die Phantasie, wenn nicht Neugierde und der Mut, konzeptionell und bedacht zu experimentieren, macht aus einem Koch einen guten Koch – und doch bleibt er Handwerker und ist, zumindest für Gourmets, ein Künstler.
    Allerdings verstehe ich dennoch inhaltlich nicht, wieso du aus „Malerei“ „Kunst“ gemacht hast – wenn unter „Kunst“ nun doch wieder nur Malerei zu finden ist – oder Kunstmalerei. Mich würde es, wenn ich es nicht schon vorher geahnt hätte, enttäuschen, unter „Kunst“ nicht mehr von dir zu sehen – seien es Fotografien, Skizzen, Entwürfe, Plastiken, was auch immer. Wenn du magst, nenn‘ es den Blick hinter die Malerin und Illustratorin auf die Künstlerin!
    In diesem Sinne frohes Schaffen und natürlich mehr „Kunst“Besucher!
    Liebe Grüße!

    • Es ist sehr viel einfacher zu sagen, was Kunst nicht ist, als was Kunst ist. Trotzdem gibt es auch so rum Bereiche, wo die Definition schwierig ist. Das Beispiel mit dem Koch ist gut. Da sind meiner Meinung nach die Grenzen schwimmend. Es gibt ja einen Koch, Ferran Adrià, der mit seiner Kochkunst Teilnehmer auf der letzten Dokumenta gewesen ist und damit als Künstler eingeordnet wurde, aber genau zu diesem Thema sehr kontroverse Diskussionen ausgelöst hat. Einen Artikel dazu bei Focus online: http://www.focus.de/kultur/kunst/documenta_aid_63563.html
      Dein Vorschlag: Blick hinter die Malerin und Illustratorin auf die Künstlerin, gefällt mir ehrlich gesagt nicht. Da würde ich eher eine Vernissagerede oder einen Pressebericht erwarten. Aber nicht den Blick auf meine Bilder.
      Vielleicht sollt ich`s einfach „Bilder“ nennen …

      Ansonsten, schön dass du auch auf meinem Blog gelandet bist, herzlich willkommen!

      • charles marto

        Ich weiß nicht, ob es einfacher ist zu sagen, was Kunst nicht ist (ohne jetzt gleich Beuys zu zitieren) – ich war in letzter Zeit, nach dem Besuch einiger Ausstellungen im Neuen Museum und anderswo schon versucht, es nicht zu tun, aber da hilft manchmal ein Blick ins Gäste- bzw. Ausstellungsbuch, um die eigene Engstirnigkeit zu überwinden. Als ich das vorhin getippt habe, hatte ich übrigens die ganze Zeit das Foto des bemoosten und belaubten Gitters vor Auge… Kunst ja, Malerei sicher nicht! Liebe Grüße!

  3. charles marto

    uuups – da ist ein „nicht“ zu viel – natürlich war ich nach den Ausstellungen versucht zu sagen, dass das, was präsentiert wurde, keine Kunst sei.

  4. AN Gela

    Für mich sind Illustration eine ganz unglaubliche Kunst. Es geht für mich soweit, dass ich im Unterricht, in dem ich sehr viel über Kunstbetrachtung zu den verschiedenen Themen komme schon öfter Bilderbuchillustrationen hergenommen habe und die Schüler auch hier zum Staunen bringe.
    Eins ist übrigens sehr lustig zu beobachten: Wir haben eine Originalillustration von Katrin Engelking aus einem Lindgrenbuch und es ist sehr interessant, wie die Leute drauf reagieren. Manche nehmen es nicht wirklich wahr und andere stehen begeistert davor- aber ist es nicht mit jeder Form von Kunst so?
    Und außerdem: Von Illustrationen bekommen die Menschen leider naturgemäß immer nur Drucke zu sehen. Wenn man mal die Chance hat Originale zu sehen (wie bei anderen Bildern im „Kunst“museum), dann kann man da doch auch noch so viel mehr drin entdecken. Man sieht dann viel mehr, wie die Bilder entstanden sind…

    So, das waren jetzt meine wild durcheinandergewürfelten Gedanken zu diesem Thema…

  5. also ich würde illustrieren schon als kunsthandwerk bezeichnen, allerdings ist das nur meine meinung. interessant in deinem artikel fand ich eher die frage ob kunst aus dem bauch heraus gut sein kann. ich glaube man müsste das „aus dem bauch heraus“ beherrschen um etwas „gut“ zu machen, jedoch könnte man hier wieder fragen: was ist gut? sicherlich über manche kunst lässt sich schon lange nicht mehr streiten…
    ach fragen über fragen =)

    gruß,
    isa

  6. Armin

    Das Wort leitet sich aus lateinisch: makula „Fleck, Makel“ ab, steht in Verwandtschaft zu mittelhochdeutsch mal „Fleck“ und gotisch „Schrift“. Malen bedeutete demnach ursprünglich so viel wie „schreiben“ oder „flecken“ (Flecken machen)

  7. stefan

    es gibt verschiedene möglichkeiten kunst einzuordnen. wirtschaftlich: wer verkauft am besten? kunsthistorisch: wer hat einen nachhaltigen eindruck hinterlassen? kunstpsychologisch: wer ist schöpferisch tätig? wobei man bei letzterem sagen kann „jeder ist künstler“ (beuys, warhol). die frage ob kunst aus dem bauch heraus (art brut, informel, art pour art) „wahrer“ ist als konzeptionelle kunst, sind meines erachtens kämpfe im schützengraben. illustration „kann“ kunst sein, wie es auch grafik-design“ oder unterhaltungsfilm sein „kann“. freie kunst kann genauso umegkehrt oberflächlich und beliebig wie werbung sein, die beiden nähern sich ja in den letzten jahren immer mehr an. auch die frage ob kunst eine gewisse intelligenz haben muss ist ebenso unsinnig wie intelligenz ganz auszuschließen. illustration arbeiten mit begriffen und texten. da der mensch aber in geschichten denkt, ist das gar nichts abwertendes. vor allem die großen meister haben immer in geschichten gemalt, es war also immer auch irgenwo illustration. j. palm sagte immer: „kunst muss sensibilisieren“ . das finde ich heute noch eine schöne umschreibung. da du mit deinen illustrationen senibilisierst, erreichst du einen mehrwert, nicht bloß eine dekoration von text, also ist es kunst. außerdem ist kunst immer versuch „ehrlich“ zu sein. kunsthistorisch muss sich (wie bei uns allen) die nachhaltigkeit erst noch zeigen 😉 du könntest deinen blog in kunst-blog umbenennen mit den bereichen malerei und illustration, oder du lässt nur deinen namen im titel stehen. aber man will ja auch als illustratorin gefunden werden 😉 also mach alles wieder wie früher 😀

  8. Danke euch allen, für die guten Beiträge.
    Ja Stefan, du hast recht, bzw. Palm hat recht: Kunst muss sensibilisieren. Das ist wirklich ein guter Satz.
    Und alles in Allem: ihr habt mich nun dahin gebracht, die Seite wieder Malerei zu nennen. 🙂

    @ANgela: „Von Illustrationen bekommen die Menschen leider naturgemäß immer nur Drucke zu sehen.“
    Das hat bei einer Ausstellung von Illustrationen von mir im letzten Jahr dazu geführt, dass die Leute glaubten ich hätte Drucke ausgestellt, und sich dann über die unglaublichen Preise gewundert haben.

    • AN Gela

      Ja aber graad deswegen ist es doch wichtig, den Leuten begreiflich zu machen, wie vielschichtig so eine Illustration gerade ist, oder? Und jetzt mal ganz ketzerisch: Haben nicht viele „anerkannte Künstler“ deren Bilder in Museen hängen nicht auch sehr Gegenständlich gemalt. Was anderes als eine große Illustration von irgendwas ist das doch dann auch nicht, oder?
      Und noch was zu den Leuten die sich über die Preise gewundert haben: Dasgibt es doch auch überall. (Ich denke nur an den Kommentar meiner Oma wenn sie sog. Moderne Kunst gesehen hat: „Des kann i a….“ Aber das ist es ja, sie kann es leider nicht…

  9. Liebe Daniela, ich finde Deine Gemälde ganz wunderbar! Und wer glaubt, man könne nicht beides tun, gut malen und gut illustrieren, der hat in der beschränkten Neuzeit geparkt. Kahnweiler, Picassos langjähriger Galerist, hatte einen eigenen kleinen Verlag, in dem er Texte noch unbekannter Autoren von seinen und von ihm bekannten Künstlern illustrieren ließ…
    Je mehr Künstler sich nicht mehr mit einer einzelnen Schubladen zufriedengeben, desto besser! Unsere Welt kann nur reicher werden! lg Tanja

  10. Johnk176

    Im not that much of a online reader to be honest but your blogs really nice, keep it up! I’ll go ahead and bookmark your site to come back later. All the best ekcffckdkgac

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