8. März: Weltfrauentag

Marsmädchen sind stark © danielakulot

Zum Weltfrauentag muss ich natürlich auch noch ein wenig Senf abgeben, oder sagen wir besser Marmelade (weil DIE).

Ein paar Gedanken über Gleichstellung und Geschlechterrollen bezüglich meines Berufs als Künstlerin.

Ah, jetzt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Mir fällt ja zu dem Thema so viel ein. Allein, dass es immer noch Männer gibt, die sich darüber aufregen, dass Frauen bei ihren Berufsbezeichnungen das …innen anhängen! Ich bin kein Künstler, ich bin Künstlerin! Wie würden denn Männer reagieren, wenn man ganz selbstverständlich bei jeder Berufsbezeichnung eine weibliche Endung ran hängen würde? Da würde sich ein Großteil der männlichen Welt ausgeschlossen fühlen.

Außerdem denke ich, dass Künstlerinnen oft ganz andere Themen haben als Künstler. Leider gibt es immer noch sehr wenig weibliche Kunst. Das liegt, glaube ich, auch daran, dass weibliche Kunst in der sehr stark von Männern dominierten Kunstwelt , häufig belächelt wird.

Weibliche Kunst heißt nicht, esoterische Kunst, oder Hausfrauenkunst, oder Häkelkunst, was man so oft in diesem Zusammenhang hört. Weibliche Kunst heißt für mich, dass Themen, wie beispielsweise Gebähren, Kinder erziehen, Familie, Gewalt (nicht nur erfahren, sondern auch ausüben), eben die Auseinandersetztung mit der weiblichen Seite ein Rolle spielen. Leider gibt es dafür relativ wenige Beispiele, und damit für uns Frauen auch wenig Vorbilder in der Kunstgeschichte.. Frieda Kahlo ist sicherlich ein gutes Beispiel für weibliche Kunst, auch Marlene Dumas, die ihre Zeichnungen von ihrem Kind übermalen lässt, oder gemeinsam mit ihrem Mann Bilder malt, und damit auch ihre Familie in die Kunst integriert:

„Ich versuche nicht, mit jemand anderem eins zu werden, ich möchte zwei sein. Ich lege es ab, und er zieht es an.“ sagt sie zu der Serie, in der sie nackte Frauen malt, und er sie mit Kleidungsstücken ziert. (Aus: Marlene Dumas: Wet Dreams, Hatje Cantz Verlag)

Dann gibt es noch die von mir sehr verehrte Maria Lassnig, die sich nicht vor Themen scheut, wie „Versäumte Mutterschaft“, oder „Versäumte Heirat“ und  meiner Meinung nach im Bild „Profitanskis“ thematisiert, wie andere Leute (evtl. Männer) aus ihren Ideen Profit schlagen.

(Die Bilder, die ich hier vorher noch drin hatte, hab ich wieder rausgenommen, wurde gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es da rechtliche Probleme geben könnte, aber schaut euch einfach selbst bei Google in der Bildersuch um,  bei Maria Lassnig und Marlene Dumas)

Nun aber nochmal zu meinem Beruf, Thema: Honorarverhandlung.

Ich stelle immer wieder fest, dass Illustratorenkollegen für vergleichbare Projekte oft mehr Honorar erhalten, als Kolleginnen. Das kann  natürlich verschiedenste Gründe haben. Einer, denke ich, hängt damit zusammen, wie Verlage hinsichtlich der Geschlechterverteilung strukturiert sind. In den oberen Etagen, wie Verlagsleitung oder Geschäftsführung, gibt so gut wie gar keine Frauen (wie in den meisten Betrieben). Wir als Autorinnen müssen aber mit GeschäftsMännern über unsere Honorare verhandeln. Leider herrscht dort oft noch die Meinung, Frauen müssen doch nicht wirklich Geld verdienen, sie haben doch einen Mann. Und es ist doch schön, wenn sie für ihr Hobby auch noch bezahlt werden. Das ist mir Gottseidank noch nicht passiert, aber ich hab´s von Kolleginnen gehört.

Um ein anständiges Honorar zu bekommen, müssen Frauen meist sehr kämpferisch auftreten, was ihnen oft gar nicht liegt. Männer können das besser, ich weiß aber nicht, ob es sinnvol ist, sich davon was abzuschauen.

Und so weiter und so fort. Ich hör jetzt mal auf mit dem Schreiben, es gäb viel dazu zu sagen, aber ich muss ja auch noch ein bisschen Arbeiten.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines, Kunst

6 Antworten zu “8. März: Weltfrauentag

  1. swl

    du hast mit allem vollkommen recht! trotzdem wär ich gern eine frau… *seufz*

    • Du bist der erste Mann, von dem ich sowas höre.
      😀 Aber glaub´s mir: ich bin auch gern ne Frau, und find´s gut dass es Männer gibt. Einige hams ja doch schon ganz gut verstanden.

  2. charlesmarto

    Wird „weibliche“ kunst wirklich nur von den männern belächelt? Von welchen? Von denen, die angst um ihre eigenen pfründe/ihr wackeliges patriarchat haben? Ich war im winter in einer kleinen ausstellung eines nürnberger kulturladens und haben mir die werke angesehen – erst jetzt, wo ich deine zeilen lese, fällt mir auf, dass ich mich nie gefragt habe, ob ein bild von einer frau oder einem mann angefertigt worden war.

    Mag sein, dass manche männer „frauenkunst“ belächeln. Aber wie reagieren frauen? Z. b. auf Tracey Emin oder Sophie Calle? Wie reagieren frauen auf skulpturen im stil von Hrdlicka, wenn diese von einer frau aus dem stein gehauen wurden?

    Und – sorry, wenn ich das so direkt sage – wer behauptet, dass frauen besser sein müssen, um es mit männern aufnehmen zu können? Ein auf den ersten blick abwegiges beispiel: Oberbayern, ein dorf mit rund 1000 einwohnerInnen. Es ist samstag. Die männer sind entweder auf dem fußballplatz oder putzen ihr auto in der garageneinfahrt. Gut, sie putzen es nicht wirklich, weil der nachbar ja auch sein auto wäscht & das ist anlass genug, erst einmal ein bier zu holen und es sich, lässig an den gartenzaun gelehnt, gemütlich zu machen. Was tun die frauen? Fenster putzen, den gehweg kehren (ja, wirklich!), wäsche waschen, aufhängen und bügeln – und das möglichst so, dass die nachbarinnen sehen, wie fleißig frau ist & es ihr gleichtun. Sollten sich städter in dieser idylle niederlassen, wissen die mitgliederinnen des frauenbundes spätestens nach zwei wochen, ob die neuzugezogene dorfkompatibel ist: Wie oft hängt wäsche zum trocknen draußen, sonnt sie sich womöglich auf der terrasse, anstatt die familie zu bekochen oder – welche schmach! – nimmt sie die dienste des eismannes von bofrost in anspruch? Wenn ja, ist sie unten durch… und wahrscheinlich obendrein evangelisch! Nicht vergessen: Tiefestes Oberbayern, südlichstes stoiberland – das ist da, wo feuchtgebiete noch moore sind und keine bücher! Uuups, jetzt hätte ich fast die tägliche pflege der geranienkästen vergessen – müssen ja auch feucht gehalten werden!! Was ich damit sagen will: Kann es sein, dass sich frauen den druck des perfekt sein müssens auch ein stück weit selbst machen? Kann es sein, dass frauen, die diesen perfektionismus auf den arbeitsplatz übertragen, auch deshalb von den männern gefürchtet werden, weil sie wirklich mehr leistung bringen? Und damit die männer natürlich unter druck setzen, weil diese ja dagegenhalten müssen? Teufelskreis? Apropos perfektionismus: Ich verstehe die von dir angeführten „frauenthemen“ wie geburt, erziehung, familie und gewalt durchaus ambivalent. Ich will ein anderes beispiel anführen: Fehlgeburt. Rund 25% aller schwangerschaften enden vorzeitig mit einer fehlgeburt/einem abgang. Ich kenne einige frauen, die darunter sehr gelitten haben und noch immer leiden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich nicht als „richtige“ frau gefühlt haben, sondern die „schuld“ zumindest teilweise bei sich suchten. Anderes beispiel: SVV – noch immer ritzen sich mehr mädchen als jungen. Ein thema für die kunst? Wie wäre es umzusetzen, ohne dass es triggert, ohne dass wunden aufgerissen werden? Ich habe, seitdem ich betroffene näher kennengelernt habe, massive probleme mit bildern, auf denen mit kunstblut rumgematscht wird, weil dies den blick auf die hintergründe meist verstellt.

    Oh, ich fürchte, ich komme vom 100sten ins 1000ste. Ich höre hier einfach auf – du siehst, dein blog lässt mich nicht kalt… auch wenn ich mich frage, ob mein beitrag wirklich passt…

    • Barbara

      es stimmt leider schon: wir sind oft schon sehr Stutenbissig und gönnen der anderen nicht die Butter auf dem Brot.

    • Deine Beobachtungen zum Rollenverhalten in so manchem Dorf sind wirklich sehr treffend, so geht´s oder ging´s da häufig zu. Aber daraus allgemeine Schlüsse zum Perfektionismus von Frauen zu ziehen, ist, meiner Meinung nach, weit hergeholt, eben aus dem Dorf. Außerdem glaube ich, dass das, was du beschreibst, eine andere Generation ist, die so in einer jüngeren Generation hoffentlich nicht mehr anzutreffen ist.
      Das andere, was du sagst über Frauenthemen: Natürlich ist Fehlgeburt auch ein Frauenthema, das gehört für mich zum Überbegriff: Gebähren.
      Ich verstehe auch nicht, was du mit ambivalent meinst. Alle Themen sind doch zunächst in alle Richtungen offen. Was dann beispielsweise ein Künstler oder eine Künstlerin daraus macht, ist deren Interpretation des jeweiligen Themas, die dann mehrfach gedeutet werden kann.
      Um´s kurz zu machen: mir geht es nicht um die eins zu eins Umsetzung solcher Themen, sondern eher um die Frage, warum solche Themen, Frauenthemen eben, so selten angegangen werden. Übrigens: bei Marlen Dumas, die ich nannte, gibt es dazu Einiges zu sehen.
      Und ich habe auch nichts dagegen, wenn sich Frauen „männlichen“ Themen zuwenden, oder „männlich“ arbeiten. Ich finde es sehr beeindruckend, wenn Frauen z.B. Baumstämme mit Kettensägen bearbeiten.

  3. charlesmarto

    Allgemeine Schlüsse sind doch immer weit hergeholt, oder? Ich habe mir heute das Jahresprogramm der Kunsthalle Nürnberg angesehen – nur eine Ausstellung zeigte Werke eines männlichen Künstlers, für den Rest des Jahres sind Künstlerinnen angesagt!

    Mit ambivalent meine ich die Wirkung auf Betroffene – konkret: Wo haben Themen wie SVV, Fehlgeburt oder auch Gebärmutterhalskrebs/Prostatakrebs ihre Grenzen, ab wann werden sie verletzend und für die Opfer zu einer Art Wiederbelebung traumatischer Erfahrungen/Erlebnisse. Ich denke konkret an T. Emin – und frage mich, ob ihr Umgang mit ihrer Biografie für andere Frauen einen Weg zur Verarbeitung ähnlicher Geschehnisse bietet oder ob sie sich in ihrer Opferrolle bestätigt sehen. Mir geht’s dabei nicht um vorgeblich moralische Grenzen (Stichwort Pornogrfie), sondern um die möglichen psychischen Auswirkungen auf Betroffene – und die werden letztlich von Person zu Person unterschiedlich sein.

    Ja, bei dem Dorf habe ich an eine ganz bestimmte Idylle gedacht und an meine Schwiegermutter – aber auch an meine Schwägerinnen, die mit derartigen „Normen“ tagtäglich konfrontiert werden – fernab solcher Diskussionen, die wir hier gerade führen. Es gibt eben auch (junge) Frauen, die unter solchen Rahmenbedingungen groß werden, eine Lehre abschließen, sich ins jugendgemäße Dorfleben integrieren (Flötengruppe -> Trachtenkapelle, Messdiener, Jugendfeuerwehr…) und sowas wie Kunst als „Spinnerei vo de G’scheidn“ abtun und die jeden Cent, der für Museen etc. ausgegeben wird, als pure Verschwendung ansehen. „Mei, woasd, wann i amoi z‘ Minga bin, gäh i doch need in a Musäum wos a no Eintritt kost“. Und selbst die „Kinder“ (15 und 18) nicken beifällig und gehen in die Trachtenkapelle und Jungfeuerwehr. Prost!

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