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Trutzburg Teppichstange

Heute war ich in meinem Kindheitsdorf, und habe dort ein Viertel aufgesucht, das als düsterer Ort immer wieder in meinen Träumen auftaucht. Ich bin nie mehr dort gewesen, und schon seit längerem habe ich mir vorgenommen, dieses Viertel aufzusuchen, um zu sehen, was daraus geworden ist, was es heute in mir auslösen würde. Das Düstere rührt möglicherweise daher, dass es aus riesigen Wohnblocks bestand, Trutzburgen, unbezwingbar, dunkel, bewohnt von fremden Leuten, die eine andere Sprache sprachen und von Kindern besetzt, die allein durch ihre Blicke eine große, unbenennbare Gefahr darstellten. Also mieden wir dieses Viertel, aber selbst von Weitem hing diese Gefahr als schwarze Wolke über den Blöcken.

Ich erzählte das meinem Bruder, und er sagte, er weiß genau, was diese Blöcke in mir auslösten, ihm sei es als Kind ganz genauso gegangen. Ich solle aber nicht enttäuscht sein, es sind ganz normale Häuser, die man als Erwachsener in keinster Weise so wahrnimmt. (Ich muss in diesem Zusammenhang sagen, dass wir nicht fremdenfeindlich erzogen wurden.)

Und dann ging ich los, und tatsächlich, ich wäre fast daran vorbei gelaufen, so stinknormal waren diese Wohnblocks, aus der Trutzburg ist ein dreistöckiges Haus geworden, und es sah aus, wie Blocks aus den 60 er Jahren eben aussehen, heute allerdings freundlich gelb gestrichen (mein Bruder meinte, das waren sie damals schon, ich habe sie als grau in Erinnerung) und mit hübschen Balkönchen dran.

Doch dann standen da die Teppichstangen. Teppichstangen, dunkelgrün und verrostet, eingefasst in Beton, auf einem ordentlich gemähten Rasen. Sogar Teppiche hingen daran,  bereit ausgeklopft zu werden. Dahinter tauchten, für ein paar Sekunden, die grauen Trutzburgen auf.

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